Poesie und Malerei

Ein kreativer Text, ein Gedicht oder eine Geschichte - hier ist der passende Platz dafür.

Von Bürgerinnen und Bürgern eingereichte Werke aus den Bereichen Kunst und Literatur mit regionalem Bezug können hier auf der Homepage der Stadt Rochlitz veröffentlicht werden.

Über die Auswahl entscheidet die Internetredaktion der Stadtverwaltung.

E-Mail: sv-info(at)rochlitz.de 

  • Der Zauber vom Rochlitzer Berg

    Der Zauber vom Rochlitzer Berg

    Eine phantastische Geschichte von Astrid und Wolfgang Lose

    Ähnlichkeiten mit frei lebenden Personen sind rein zufällig, Namen frei erfunden

     Vor langer Zeit lebten in der Stadt des Roten Porphyrs, in Rochlitz, drei aufgeweckte Buben, die sich besonders für Sagen und Legenden im Muldental interessierten.

    Martin, der Älteste von den Jungen, hatte dazu noch eine Vorliebe für Heilpflanzen und Geister. Frank, der Jüngste und Größte, beschäftigte sich vornehmlich mit Recherchen und Jörg wollte am liebsten alles aufschreiben, was sich in der Gegend ereignete.

    So waren die drei ein gutes Team.

    Meist trafen sie sich im Wald am Rochlitzer Berg, denn sie wussten, dass sich dort ein Berggeist aufhielt, der für Unruhe sorgte.

    Interessant für alle drei waren die Geschichten über sächsische Sagen und vor allem die Geschehnisse im Mittelalter sowie die Berichte über das Porphyrmännlein.

    „Wir unternehmen einfach einmal eine Art Exkursion im dichten Wald und durchforsten die Gegend um die Teiche vulkanischer Hinterlassenschaften“, schlug Frank vor, der sofort die anderen beiden auf seiner Seite hatte.

    So machten sich die Freunde auf den Weg und hörten bald seltsame Geräusche. „Hört ihr das auch“, fragte Martin und horchte. Die anderen beiden spannten ihre Ohren und lauschten. Von fern war Klopfen und Hämmern zu bemerken, sodass die drei erneut feststellten, dass sie nicht allein waren. Vorsichtig durch das Gebüsch schleichend, gelangten sie schließlich auf eine Lichtung und erspähten etwa zehn zwielichtige Gestalten, mit langen Haaren und Bärten. Sie trugen Fäustel und Steineisen in den Händen und schlugen auf rotem Gestein, bis es auseinander fiel. Die Buben hatten den Mühlsteinbruch entdeckt und wussten, dass es sich um Arbeiter handelte, die das Rote Gold der Region abbauen mussten.

    „Was steht ihr hier so nutzlos herum, los angepackt, die Steine müssen auf den Karren geladen werden“, schrie sie ein großer Mann an. „Hier wird nicht gefaulenzt.“ Schon bekamen alle drei die entsprechenden Werkzeuge in die Hände und sollten die Steinrohkörper behauen. „Bis heute Abend sind die Brocken fertig bearbeitet, sonst stecke ich euch mit dem Kopf unter Wasser, bis die Luft weg bleibt“, meinte so eine Art Aufseher.

    Die drei hatten noch nie eine so schwere Arbeit verrichtet, sodass guter Rat teuer war.

    „Ich habe Angst“, flüsterte Jörg. Plötzlich geschah etwas Seltsames. Die Werkzeuge der Buben schwangen sich wie von selbst, sodass die Arbeit bald getan war.

    „Wo habt ihr den Steinhauen gelernt“, staunte der Vorarbeiter namens Ullrich.

    „Och, das hat uns mein Vater beigebracht“, antwortete Frank.

    „Naja, eigentlich kann mir das egal sein, Hauptsache ihr arbeitet vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang“ herrschte er die Jungen an. „Das kommt gar nicht infrage“, schrie Jörg. „Das wollen wir ja sehen“, meinten zwei der Männer, zerrten den Jungen am Kragen zum Wasser und tauchten ihn unter. Er hatte keine Chance.

    Doch wieder ging es wie von Zauberhand. Der Junge wurde aus dem Wasser gerissen und die beiden Kerle hineingestoßen. Sie schlugen wild um sich und hatten Mühe wieder an das Ufer zu gelangen. Sie schüttelten den Kopf und wussten nicht, wie ihnen geschah. Inzwischen kamen Frank und Martin angerannt und nahmen Jörg in die Arme. „Irgendjemand hilft uns, es gibt also doch den Berggeist“, wagte Martin zu bemerken und flüsterte: „Los, wir hauen ab. Es dunkelt schon, da findet uns im Wald keiner“. Das taten sie dann auch. Jörg hatte sogar wieder neue trockene Kleidung an. Komisch. Sie schlichen also im Gebüsch entlang, als plötzlich hinter ihnen ein riesiger Keiler schnaufte. Die Kinder wagten nicht, sich zu bewegen. Ein Jäger hatte ihnen einmal gesagt, dass man sich nicht rühren soll, wenn ein Wildschwein kommt. Sie sind extrem kurzsichtig und greifen nur an, wenn Frischlinge in der Nähe sind. Doch der Keiler raste auf Martin zu und wollte sich gerade auf ihn stürzen, als der Junge emporgehoben wurde und sanft auf dem Boden weit ab von dem Geschehen landetet.

    Jörg rief: „Das geht hier nicht mit rechten Dingen zu, das müssen wir in der Schule erzählen“. Die anderen beiden hielten nichts davon. „Immer mit der Ruhe, erst müssen wir mal wieder daheim ankommen“. Es war inzwischen Nacht und der Mond beschien eine große Lichtung, auf der viele Tiere ruhig grasten. In diesem Moment pirschte ein Rudel Wölfe heran und umkreiste ein junges Reh. Es hatte keine Chance. Die Rehmutter musste ruhig zusehen. Sie konnte nicht eingreifen. So ist das in der Natur. Doch nun jagte ein riesiger Hirsch heran, gabelte einen der Wölfe mit seinem Geweih auf und warf ihn hoch in die Luft. Das war die Gerechtigkeit in diesem Leben. Der Wolf war schon tot, ehe er den Boden berührte. Die drei Jungen waren starr vor Schreck. Sie krochen todmüde langsam in der Lichtung entlang, um sich in Sicherheit zu bringen,ohne dass sie genau wussten, wo sie waren. „Am besten wir suchen uns ein Gebüsch, kuscheln uns eng zusammen und schlafen. So kalt ist es ja nicht“, schlug Martin vor. Frank und Jörg meinten auch, dass es das Beste wäre. Die ersten Sonnenstrahlen weckten die Jungen und die herrlichen Vogelstimmen ließen sie die Schrecken der Nacht vergessen. Die kleinen Bäumchen standen so dicht beieinander, dass sie kaum vorwärts kamen. Sie zerkratzen sich Gesicht und Hände und waren verzweifelt. Frank, der Schmalste, versuchte allein vorwärts zu kommen, als er plötzlich einen steilen Hang hinabstürzte und in ein sehr tiefes Wasserloch fiel. Er schrie und versuchte seine Kleidung abzustreifen, um ans Ufer zu schwimmen. Doch es gelang nicht. Er ging unter.

    Sofort versuchten Martin und Jörg ihm beizustehen und schrieen gemeinsam um Hilfe. Doch es geschah nichts. „Wir sind verloren“, riefen beide, ehe sie wild entschlossen hinter Frank herab sprangen, um ihn doch noch zu retten. Sie waren in einen alten Krater gefallen, von dem die Leute erzählen, dass er grundlos sei und verhext. Die drei Kinder sanken tiefer und tiefer. Doch plötzlich fühlten sie sich emporgehoben und erwachten mit trockenen Sachen auf dem belebten Berg. Sie standen genau vor dem Porphyrmännlein, welches ihnen zuzwinkerte. Alle drei lebten und waren auf wundersame Weise gerettet. „Ich bin so froh“, jubelte Jörg.

    Sie waren sich einig: „Das ist ein Wunder und Zauber, oder haben wir das etwa nur geträumt?“ 

  • Weihnachtsmärchen 2016 - von Dr. M. Grzelkowski

    Weihnachtsmärchen 2016

    So erzählte man sich am Königshof – in Dresden.

    Es war einmal vor sehr langer Zeit in einem Land hinter den Wäldern, zwischen hohen Bergen, da lagen an einem Fluss ein Schloss und ein kleines Städtchen an einem Berg. In diesem Städtchen lebten viele Steinhauer und Steinmetze, denn ihr Berg war ein Besonderer. Wenn man dort in die Tiefe grub, konnte man roten Stein finden, so rot, wie die untergehende Abendsonne.


    An diesem Berg lebte Ludo. Ludo war der Sohn vom Steinmetzmeister. Aber er war nicht wie der Steinmetz groß und kräftig gewachsen und mit lauter Stimme ausgerüstet. Schlank und zart hatte er ein leises Gemüt. Er liebte es, am Berg auf einer Lichtung zu sitzen und auf den Fluss zu schauen. Er liebte das Summen der Bienen und hörte das Flattern der Schmetterlinge in der Sommersonne. Er roch den Duft der Kamille und der wilden Rosen und all der anderen Blumen auf den bunten Wiesen. Am allermeisten aber liebte er es, unter der großen Tanne, dem größten und schönsten Baum an diesem Hang, zu liegen und zuzuschauen, wie die Prinzessin mit ihren Gespielinnen aus dem Schloss zum Flussufer lief, und hörte ihr Rufen und Herumtollen gerne. Sein Vater aber herrschte ihn an ob seiner sanften und gefühlvollen Art. Ihm wäre ein grober Haudegen lieber gewesen, der in seine Fußstapfen als Vorarbeiter treten konnte. Stattdessen hatte er so einen Weichling.

    Das Schloss lag dicht am Berg. Der König aus dem fernen Dresden war selten hier. Meist lebten die ehemaligen Königinnen hier, wenn deren Gatten im Kampf oder auf der Jagd umgekommen waren und jetzt ein neuer König mit seiner Königin in Dresden regierte. So lebte auch zu jener Zeit eine Königinnen-Witwe auf diesem Schloss. Diese Königinnen-Witwe hatte eine Tochter, die früher einmal Prinzessin war, aber so ist das im Leben. So Einiges ist nicht von Dauer und es muss immer wieder neu geplant werden. Die ehemalige Prinzessin hieß Lissy. Das kommt von Elisabeth, das war ihr richtiger Name. Ihr Lachen, ihr ständig strahlendes Gesicht leuchteten und jeder, der ihr begegnete, wurde von dieser Fröhlichkeit angesteckt und musste sie einfach gern haben.


    Dieses Lachen war auch das Erste, was Ludo von ihr gehört hatte. Im Sommer, als sie auf dem Schloss angekommen war und die Umgebung erkundet hatte, war er gerade auf dem Weg vom Steinbruch zur Stadt. Er hatte sie und ihr kleines Gefolge von Spielkameraden die Wiesen zum Berg hinauf laufen gesehen. Als er ihr Lachen hörte, war er sofort bezaubert von ihr. Beinahe hätte er seinen Auftrag vergessen. Die Steinhauer hatten eine besonders schöne Steinader gefunden. Der Bürgermeister wollte neue Fenster und Türen für das Rathaus bauen. Ludo sollte dafür eine Steinprobe zum Bürgermeister bringen. Das hatte er beinahe vergessen über seine Bewunderung für die Prinzessin. Sie aber wusste nichts von seinen Gefühlen.


    Die Prinzessin hatte das schönste Lachen der Welt. Doch mit jedem Tag, den sie im neuen Schloss verbrachte, lachte sie seltener. Der Grund ihres Umzuges war ja, dass ihr Vater, der König, gestorben war. Ihr Vater aber war das Beste, was sie besaß. Sie verehrte ihn und sie liebte ihn und auch sie war ihm sein Liebstes. Als sie in dieses Schloss kam, hatte sie seinen Tod noch nicht begriffen. Aber mit jedem Tag, der nun verstrich, spürte sie den Verlust mehr und mehr. So lachte sie jeden Tag weniger und weniger. Sie tollte auch mit ihren Spielkameraden nicht mehr so umher sondern spazierte langsam den Hang empor. So kam sie unweigerlich zu einem großen Baum, dem größten und schönsten an diesem Hang und sie setzte sich in seinen Schatten.


    So kam es, dass eines Tages, als Ludo zu seinem Lieblingsplatz ging, die Prinzessin dort saß und vor sich hin starrte. Er wollte sich erst gar nicht dorthin begeben, aber der Wind strich durch die Zweige und es wisperte, als spräche der Baum: „Hör auf dein Herz! Hör auf dein Herz!“ Ludo ging und setzte sich neben sie. Die Prinzessin Lissy aber störte es nicht. So saßen sie eine Weile lang stumm. Dann aber fragte Ludo leise, da ihm ja ihre Traurigkeit nicht verborgen geblieben war, nach dem Grund ihrer Trauer. Da erzählte sie von ihrem Verlust. Sie erzählte von ihrem Vater und sie erzählte von den schönen Stunden und Tagen mit ihm, von den Spielen und den Geschichten und davon, dass der König abends an ihr Bett gekommen war und ihr einen Gute-Nacht-Kuss gegeben hatte. Er, der König. Einmal, als sie krank war und hohes Fieber hatte, hatte er sogar eine Sitzung des Kronrates unterbrochen, um zu ihr zu kommen. Wie sie so von ihm erzählte spürte sie, wie ihr Herz leichter wurde und wie die Traurigkeit wich. Ludo aber war ein guter Zuhörer. Er nahm jedes Wort auf und jede Regung. Er beobachtete Lissy und jeden Wimpernschlag. Auch er erzählte ihr Geschichten, die er von seinem Vater und von den anderen Männern des Steinbruchs gehört hatte. Da war sie es, die genau zuhörte. Es war eine so innige Verbindung zwischen ihnen, dass Lissy am Ende doch lächeln musste. Ludo aber lächelte zurück und sie erkannten beide: Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist - ein Lächeln.

     

    So trafen sich die beiden häufiger an diesem schönen hochgewachsenen Baum. Mit jedem Tag, den sie so verbrachten, wich die Traurigkeit ein wenig mehr von Lissy. Wenn sie aber in das Schloss zurückging, kam die Trauer zurück. Dagegen war sie einfach machtlos.


    Der Sommer war ins Land gegangen und der Herbst hatte schon lange begonnen. Fast ging es schon auf Weihnachten zu. Die Fenster und Türen am Rathaus waren mit dem neuen, beinahe marmorartigen roten Stein bekleidet und der Bürgermeister wollte in diesem Jahr dieses Ereignis mit einem besonderen Weihnachtsfest auf dem Markt feiern. Dazu wollte er den schönsten Baum im Wald abhauen lassen und auf dem Marktplatz aufstellen. So wurde der Baum, unter dem Lissy und Ludo saßen, ganz plötzlich zum begehrten Baum eines Dritten.


    Als sie wieder einmal unter der Tanne saßen, kam der Förster und nahm das Maß. Die Ex-Prinzessin und der Steinmetzsohn baten und bettelten, aber es half nichts. Was können Kinder schon ausrichten gegen den Willen der Erwachsenen? Der Förster ließ sich nicht erweichen. Er sprach, dass er am nächsten Tage kommen wolle, um den Baum zu schlagen.


    Da dies also nun der letzte Tag sein sollte, an dem der Baum stand, verabredeten sich die beiden Kinder zur Mitternacht, da wollten sie Abschied nehmen von dem Baum. Ihr werdet Euch natürlich fragen, wie Lissy bei geschlossenem Tore aus dem Schloss heraus kommen wollte. Aber wie das so ist mit alten Schlössern, so haben sie Geheimgänge und versteckte Pforten in der Mauer. Und wie das so ist mit Prinzessinnen, auch wenn es Ex-Prinzessinnen sind, so kennen sie diese Geheimgänge. Lissy schritt also voran, in einen dunklen Umhang gehüllt dem Abhang und dem großen Baume entgegen. Dort erwartete sie schon Ludo. Es war eine wolkenlose Nacht und der Mond schien nur mit einer schmalen Sichel über dem Horizont.


    Beide Kinder legten sich unter den Baum und schauten in den Himmel. Lissy aber staunte, denn noch nie hatte sie den Himmel so gesehen. In Dresden war es so hell und so staubig, dass meist Wolken über der Stadt hingen oder vielleicht gerade der Mond zu sehen war. Hier aber war der Himmel schwarz, tiefschwarz und die Sterne waren hundertfach, tausendfach, millionenfach verstreut. Es sah aus wie mit Puderzucker bestäubt. Der Wind aber strich durch die Zeige der Tanne. Lissy war es, als ob sie flüsterten: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Sie hörte, wie Ludo von den Sternen erzählte und auf den großen Wagen zeigte. Er erzählte die Geschichte von dem Großen Wagen und wie dieser Große Wagen fahrbereit stand, sich aber nicht bewegte, denn er wartete auf einen Wagenlenker. In diesem Sommer nun da kam er geschritten, der Lenker des Großen Wagens. Es war der König - Lissys Vater. Er kam und bestieg den Wagen. Er nahm die Zügel in die Hand und fuhr los. Lissys Herz pochte vor Aufregung und sie sah hin und konnte ihren geliebten Vater erkennen und konnte sehen, wie er mit dem Wagen die Milchstraße entlang fuhr, immer weiter und weiter. Da war sie glücklich und plötzlich konnte sie wieder lachen. In ihrer Freude umarmte sie Ludo. Ab dieser Nacht war der Bann gebrochen, die Traurigkeit war verbannt und das Lachen wiedergekehrt.


    Ludo aber lag weiterhin traurig im Gras. Dachte er doch an die Tanne, die am nächsten Tage geschlagen werden sollte. Mit Tränen in den Augen schaute er in den Himmel. So viele Tränen, dass er sie fast nicht gesehen hätte: die Sternschnuppe. Manche sagen vielleicht auch Komet oder Stern von Bethlehem, er aber meinte, eine Sternschnuppe gesehen zu haben. Er wünschte sich jetzt ganz fest, dass der Förster den Baum nicht schlagen würde, aber er wusste ja, dass das vergeblich war. Wünsche gehen nur im Märchen in Erfüllung.


    Zur gleichen Zeit wälzte sich der Förster im Bett umher. Durch das Fenster hatte er eine Nachtigall singen gehört. Das war um diese Jahreszeit eigentlich sehr ungewöhnlich und so lag er noch lange wach. Der Wind rauschte in den Wipfeln der Bäume und ihm war, als säuselte es: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Es kamen ihm die beiden Kinder in den Sinn, die ihn so inständig um diesen Baum gebeten hatten. So kam es, dass er am nächsten Tag den Baum nicht abschlug, sondern mit allen seinen feinen Wurzeln ausgrub und auf dem Markt vor dem Rathaus einpflanzte.


    Der nächste Tag war der Weihnachtstag. Ludo hatte von der wunderschönen Steinader einen Brocken von seinem Vater bekommen. Er hatte ihn behauen und ein Licht eingelassen. Nun stand er mit Lissy auf dem Markt vor dem Baum und reichte ihr aus diesem Stein gearbeitet ein rotgoldenes Herz, das in der Mitte leuchtete. So standen sie beide unter dem Baum, der ihr Baum war. Die Lichter aber an diesem Baum schienen in diesem Jahr besonders hell zu leuchten und die Kugeln schienen in diesem Jahr besonders strahlend zu blinken. Oben am Himmel aber steht der große Wagen, in dem der König sitzt und voller Stolz auf seine Tochter und ihren Gefährten blickt. Lissy und Ludo aber durchströmten Glück und eine tiefe Dankbarkeit.


                                ©Dr. M. Grzelkowski

     

     

  • Die Kahnfahrt des Lebens - von Astrid Lose

    Die Kahnfahrt des Lebens
    von Astrid Lose 

    Das Leben gleicht dem großen Fluss,
    der langsam irgendwo entspringt.
    Willkommen meist mit einem Gruß,
    der Lebenslauf beginnt.

    Die Kahnfahrt führt durch Berg und Tal.
    Die Zeit bleibt niemals stehen.
    Dem Fährmann wird die Last zur Qual,
    muss dann verschlungne Wege gehen.

    Oft jagen die Wolken zu Fetzen zerrissen,
    vom Sturme gepeitscht, wie Heere geballt,
    obgleich der Sonne strahlend Kissen,
    sich trotzend behauptet, mit kühner Gewalt.

    Liebe heißt das Zauberwort,
    des Menschen Motor alle Zeit,
    trägt viele Sorgen mit sich fort,
    nicht jeder ist dafür bereit.

    Im Frühling, wenn die Knospen sprießen,
    beginnt des Lebens großer Zauber,
    erlernt ein Jeder staunend zu genießen,
    da bleiben Welt und Fluss noch sauber.

    Sommer beschert sodann meist frohe Stunden.
    Der Fluss wächst breit und hoch,
    noch ist die Neugier nicht verschwunden,
    denn alles fließt, bewegt sich noch.

    Auch der Herbst hat schöne Farben
    und nur reife Früchte schmecken gut,
    doch das Leben schlägt auch Narben,
    die man vergisst, mit neuem Mut.

    Dann trägt der Strom die meiste Last,
    fließt träge in dem ausgespülten Bette sacht.
    Ergießt sich bald ins Meer, behäbig fast;
    aus und vorbei, es ist vollbracht.

    So hat jedes Leben Sinn,
    wie alles hier auf Erden,
    bringt Verlust und auch Gewinn,
    reiches Blühen, ständig Werden.

  • Gerechtigkeit auf dieser Welt - von Astrid Lose

    Gerechtigkeit auf dieser Welt
    von Astrid Lose

    Was ist Gerechtigkeit auf dieser Welt,
    die Menschen wissen oft nicht, was sie tun.
    Es herrschen nur Kommerz und Geld,
    die Gier lässt keinen sicher ruhn.

    Wo führt das letztlich alles hin.
    Wir spüren Hass und Mordgelüste,
    so mancher hofft auf einen Neubeginn.
    Wie geht es weiter, wenn das jeder wüsste.

    Doch in dieser eklatanten Zeit
    fürchten sich die Meisten,
    sind zum Kämpfen und gewaltbereit
    wie Tiere, die können sich das leisten.

    Sind wir denn Tiere, eigentlich doch nicht.
    Warum dann töten, flüchten, stehlen,
    findet sich nicht endlich ein Gericht.
    Das Unverständnis, keiner kann es hier verhehlen.

    Doch wem nützt all dieses Zweifeln,
    nur gute Taten, kein gegenseitiges Besiegen,
    und nicht an falscher Stelle sich ereifern,
    denn nur Vernunft und Liebe werden letztlich siegen.

    Drum Menschen hört auf Euer Herz,
    dass überall dauernd Friede werde.
    Vertreibt gemeinsam allen Schmerz
    und rettet Eure alte Erde. 

  • Unsere Heimat - von Astrid Lose

    Unsere Heimat
    von Astrid Lose

    Blühen und Werden,
    Wachsen und Gedeihn,
    alles auf Erden
    kann schöner nicht sein.

    Du schaust das Wunder
    und sinnst ihm nach,
    ein prächtig bunter
    Almanach.

    Es grünen  Bäume,
    blühen Wiesen
    und Waldessäume,
    wo Blumen sprießen.

    Der Quelle Wasser rauscht,
    des Lebens frischer Born
    und wer dort lauscht,
    der hört des Jägers Horn.

    Die Frösche quaken wieder,
    Reiher schweben in der Luft
    und Vögel singen Lieder,
    der Kuckuck ruft.

    Der Mulde helles Band
    glitzert  in der Sonne
    herrlich, unser Heimatland
    unser aller Wonne.

    Der Hausberg oben thront
    mit seinem Märchenwald,
    ein Aufstieg lohnt
    den Wandrer bald.

    Die Aussicht über Wald und Feld
    so manchen überrascht,
    dass er freudig innehält,
    wenn er einen Blick erhascht.

    Und wenn die Sonne untergeht,
    herrscht Frieden überall,
    vom Fluss ein Lüftchen rüberweht,
    Nebel schluckt den Schall.

    Die liebliche Natur,
    wir wollen sie erhalten
    und mit einer Heilungskur
    dauerhaft gestalten.

    In Ruhe und Beschaulichkeit
    bei uns die Menschen leben,
    das findet man hier weit und breit;
    Sagt: Kann es etwas Schönres geben?