Bester Vorleser im finalen Wettstreit ermittelt

Zum Vorlesewettbewerb der Sechstklässler im Rochlitzer Rathaus hatten sich von den regional teilnehmenden Schulen der Altkreise Mittweida und Döbeln sieben Mädchen und zwei Jungen qualifiziert. Anna Dömel, (vorn: 2.v.l.) vom Martin-Luther-Gymnasium Frankenberg ist die Gewinnerin des diesjährigen Wettbewerbs.

Neun Schüler waren kürzlich der Einladung der Stadtbibliothek ins Rochlitzer Rathaus gefolgt, um im gemeinsamen Wettstreit ihre besonderen Lesequalitäten unter Beweis zu stellen. Die sieben Mädchen und zwei Jungen, allesamt 6.-Klässler aus den Altkreisen Mittweida und Döbeln hatten mit ihrer Leseleistung bereits im Vorfeld überzeugt. Als beste Vorleser ihrer Schulen lösten sie das Ticket für den regionalen Showdown.

Begrüßt wurden die Teilnehmer und rund 25 Gäste von Mario Rosemann, Hauptamtsleiter der Rochlitzer Stadtverwaltung und von der Leiterin der Stadtbibliothek, Mandy Uhlemann. Die Moderation der Veranstaltung lag in den Händen von Carmen Haubold, die es glänzend verstand das Lampenfieber der Vorleser einzudämmen und einen amüsanten Bogen zu den Lesetexten zu spannen. Doch zunächst gab sie die Wettbewerbsregeln bekannt. Eine davon trug sie mit gehobener Stimmlage vor – „alle Handys sind ab jetzt auf stumm zu programmieren.“

Für die Vorleserinnen und Vorleser war eine Lesezeit von 3 Minuten vorgegeben, die nach Möglichkeit voll ausgeschöpft werden sollte. Bei Überschreitung schrillte die Glocke. Ein wenig aufgeregt und dennoch souverän meisterten alle Teilnehmer ihren Vortrag und glänzten mit überdurchschnittlichen Leseleistungen. Anna Dömel aus Frankenberg, durch Losentscheid als erste Vorleserin an der Reihe, setzte gleich das erste Achtungszeichen. Mit ihrem Lesevortrag gelang es ihr das Publikum einzunehmen und bei der Jury kräftig zu punkten.

„Um im Spitzenfeld mitzumischen, reicht fehlerfreies Lesen allein nicht aus. Den Wettbewerbsteilnehmern muss es bei ihrer Vortragsgestaltung gelingen ihren literarischen Figuren eine Stimme zu verleihen, ein Gespür für Atmosphäre – Freude – Spannung oder auch Wut und Verzweiflung zu vermitteln. Gute Vorleser nehmen ihr Publikum emotional mit“, erklärt Jurymitglied Mandy Uhlemann, Leiterin der Rochlitzer Stadtbibliothek.

Anna Dömel aus Frankenberg und Anna May Neumann aus Penig haben diese Vorgaben am besten umgesetzt. Sie waren das Spitzenduo des diesjährigen Wettbewerbes.

Da aber nur ein Vorleser den Landkreis in der nächsten Runde vertreten kann, musste eine Entscheidung her. Und die fiel im Stechen. Entgegen vorangegangener Regularien, nach denen jeder sein eigenes Buch mit persönlich favorisierter Textpassage wählen konnte, gab jetzt die Jury sowohl das literarische Werk als auch die Textstelle vor. Für beide Leserinnen identisch, fiel die Wahl auf den Krimi „Die drei Fragezeichen“ Das Auge des Drachen nach Alfred Hitchcock. Per Losentscheid wurde die Reihenfolge festgelegt. Anna Dömel musste als Erste aufs Podium. Mit ihren sprachlichen Mitteln, einer gesunden Portion Selbstvertrauen und einer Spur spielerischer Gelassenheit gelang es ihr Jury und Publikum gleichermaßen zu überzeugen.

Auch Anna May Neumann wirkte hochkonzentriert, war bemüht fehlerfrei zu lesen und stimmlich den handelnden Personen Charakter und Leben einzuhauchen. Vielleicht war es ein bisschen Aufregung zu viel, die im Lesevortrag mitschwang, sodass die Jury letztlich Anna Dömel zur Wettbewerbssiegerin erklärte.

Im anschließenden Interview ließ Anna Dömel anklingen, dass sie aus einer lesefreudigen Familie stamme. Sowohl die Mama als auch die ältere Schwester greifen gern mal zum Buch. „Zurzeit lese ich gerade „Rubinrot“ (Liebe geht durch alle Zeiten). Dieses Buch habe ich heute auch im Wettbewerb vorgestellt“, sagt die 11-jährige, die von klein auf ihrem Interesse am Lesen nachgeht. In ihrem Zimmer zuhause sei kaum noch Platz für neue Bücher, bekennt sie schmunzelnd. Zum E-Book möchte Anna Dömel dennoch nicht greifen, da hat sie klare Prinzipien: „Das Lesen in gedruckter Form ist für mich beruhigender und entspricht eher meinen Vorstellungen vom Lesegenuss als es digital der Fall ist.“ Zu Annas Lieblingsbüchern gehören Fantasy-Abenteuer, ganz oben an die Edelsteintrilogie (Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün) von Kerstin Gier.

Zum Abschluss der Veranstaltung sprach Mario Rosemann allen Teilnehmern seine Anerkennung für die gezeigten Leistungen aus. Als Wertschätzung für die Qualifikation, allein zu diesem Wettbewerb, bekamen alle Urkunden und Buchpräsente überreicht. Die Siegerin erhielt noch ein weiteres Buch dazu. Verlierer gab es keine, nur die beiden Erstplatzierten wurden namentlich bekannt gegeben.

„Obwohl es sich um einen Wettbewerb handelt“, so Mandy Uhlemann, „gehe es grundsätzlich nicht darum Rangfolgen festzulegen, sondern vielmehr Freude am Lesen zu vermitteln.“

Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels wird seit 1959 jährlich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und weiteren kulturellen Einrichtungen durchgeführt. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und zählt zu den größten bundesweiten Schülerwettbewerben überhaupt. Um die 600 000 Schülerinnen und Schüler beteiligen sich jedes Jahr.

Für die Sieger im Kreisausscheid geht es in wenigen Wochen in die nächste Runde, dann werden auf Bezirksebene die Besten ermittelt.

Text und Foto: Jörg Richter